Meine Fraktur

In diesem Beitrag handelt es sich hauptsächlich um die Olekranon Fraktur, an der ich 2011 am 01. September operiert worden bin, nach dem Unfall am Spielplatz. Es sind aber Vorgänge, die für alle Frakturen Gültigkeit finden.

Beide Teile des Olekranons Fortsatzes (Ellbogenhöcker) waren weit voneinander getrennt, vor allem durch Zug seitens des Muskels Trizeps. Anhand der Osteosynthese fand die Reposition während der Operation statt. Es heißt, beide Knochen wurden mittels einer Drahtschlinge zusammengehalten, so daß ich zwei Wochen später nach Entfernung des Gips wieder den Arm bewegen durfte, denn es hätte sonst viele Probleme gegeben, wie Ankylose, Atrophie, Thrombose bzw. Embolie u.a.m.

Abgesehen von Muskelatrophien, ist Ankylose (Versteifung) nämlich die ernst zu nehmende Gefahr, wenn das Gelenk für längere Zeit nicht mehr beweglich ist. Dies bekam ich gleich nach Entfernung des Gips zu spüren. Schmerzhaft war es dabei, denn meine Finger waren wegen Ödeme aufgrund von Blutstörung geschwollen, die bei jeder Operation auftreten. Dies war deshalb mit Rheuma vergleichbar und unmittelbar zu spüren, sobald ich die Finger bewegte. Es klingte etwa nach 2 Wochen ab, bevor es nach 4 Wochen vollkommen verschwand.

Da ich mir keine Krankengymnastik leisten konnte, wobei ich davon gar nicht begeistert war, zumal es für viele Patiente wegen Schmerzen unerträglich wird, wenn der Therapeut zu weit geht, machte ich selbst gleich nach Entfernung des Gips so oft wie möglich am Tag verschiedene Bewegungen, die vor allem schmerzlos blieben.

Es birgt aber eine andere Gefahr, wonach es mit einer Pseudoarthrose zu rechnen wäre, falls es wieder zu einer Trennung beider Knochen komme, so daß es sich nur eine knörpelartige Brücke zurückbildet, vor allem in meinem Fall, wenn der Muskel Trizeps als einer der Strecker des Ellbogengelenks wieder aktiv wird. Ich übte daher in der ersten zwei Wochen nur mit der Beugung, also in der Supination Stellung, die anfänglich nahezu problemlos gewesen ist. Es war schließlich besser, täglich mehrmals 10 Minuten den Ellbogen schonend zu bewegen, als nur in einer halben Stunde oder mehr in einer Krankengymnastik zu forcieren. Selbstverständlich sei es geboten, Kenntnisse darüber zu verfügen, um den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Übungen in der richtigen Richtung zu kennen, um keine falsche Bewegung zu verursachen. Anhaltspunkt blieb jedoch, darauf zu achten, daß es zu keinen Schmerz kommt, das vom Körper als Signal vor einer Gefahr zu verstehen ist, vorausgesetzt es werden keine Antalgika (Schmerztablette) eingenommen. Selbst nahm ich gar keine davon seit meiner stationären Behandlung.

Wichtig dabei ist der Heilungsprozeß zu kennen und die Art der Fraktur.

Eine primäre Knochenheilung kann nur dann erfolgen, wenn die Bruchenden möglichst frühzeitig nach der Fraktur eng adaptiert werden und sie nicht gegeneinander beweglich sind. Dies ist in der Regel nur bei chirurgischer Versorgung mittels Osteosynthese der Fall. Dies ist deshalb bei mir zutreffend.

Bei dieser primären Knochenheilung bildet sich nämlich kein äußerer Kallus, denn die Osteone der kompakten Knochensubstanz (Substantia compacta) der beiden Bruchenden können bei sehr guter Adaption von beiden Bruchenden aufeinander zuwachsen und wieder fusionieren. Es wird vorausgesetzt, daß die Spaltenbreite höchstens 0,5 mm beträgt, so daß es einer direkten Frakturheilung durch die Havers-Kanäle kommt. Die Blutversorgung im Spalt ist nach zwei Wochen abgeschlossen. Ich sah deshalb auf dem Röntgenbild zwei Wochen nach der Operation nur noch einen Strich so dünn wie ein Haar, den der Chirurg „umgangssprachlich“ trotzdem Callus nannte. Sollte die Reposition gelingen, ist es normalerweise nach 4 Wochen nichts mehr zu sehen, eben wie bei mir nach der nächsten Aufnahmen 5 Wochen danach. In diesem Fall ist die Heilung mit Sicherheit nach 8 Wochen zuverlässig.

Ansonsten kommt es zur Sekundärheilung, bei der sich der Kallus bildet. In diesem Fall stehen die Bruchenden nicht hundertprozentig aufeinander oder haben Bewegung, so daß ein Spalt überbaut werden muß. Durch eingewanderte Knorpelbildner (Chondroblasten) kommt es nämlich zur Bildung von Faserknorpel, der allmählich durch aktivierte Osteoblasten verknöchert. Die Verdickung um die Bruchstelle während der Heilungsphase ist deshalb radiologisch deutlich sichtbar.

Die Verknöcherung setzt zwar erst in der 4. bis 6. Woche ein aber die Heilung dauert in der Regel 6-12 Monaten an, bis der Callus vollständig verschwindet. Es kann sogar Jahre dauern, bis die Verdickung durch den Callus ab die 8. Woche von den Osteoklasten wieder auf die normale Knochendicke abgebaut ist. Dies ist z.B. für einen Nachbarn zutreffend, dessen Arm gebrochen wurde, ohne daß es zu einer Operation gekommen ist. Die Gefahr besteht, daß beide Bruchenden unbemerkt miteinander verschoben sind. Darüber hinaus kann die Dicke des Callus etwa den Armknochen ausdehnen und dadurch zu einer Funktionsstörung führen, z.B. am Handgelenk.

Ich lese viele Berichte von Patienten, vor allem aus Frankreich, die buchstäblich erschreckend sind. Schlimmer ist es noch, wenn der Arzt meint, es sei kein Knochenbruch festzustellen, ohne dabei zu röntgen. Bei mir war ebenso, daß der Unfallarzt anfänglich beide Knochen des Arms am Ellbogen tastete und schließlich an keinen Knochenbruch glauben wollte, zumal das Gelenk ja geschwollen war.

Sicherheitshalber wurde ich trotzdem geröntgt und damit wurde die Fraktur klar und deutlich festzustellen. Ich weiß zwar nicht, ob es daran liegt, wie es in französischen Kliniken operiert wird, aber schon an mangelnden Informationen zwischen Patienten und Chirurgen. Viele werden nie wieder wie zuvor ihren Arm vollständig bewegen können. Biologisch gesehen ist es mir allerdings rätselhaft, wenn ich davon ausgehe, daß alle Knochen exakt wieder zusammengeschlossen sind. Fremde Materialien könnten sonst vielleicht Bewegungen beeinträchtigen. Einige Patienten hatten zugleich auch noch eine andere Gelenkfraktur z. B. an dem Radiuskopf (von der Speiche), also neben der Olekranon Fraktur am oberen Ende des anderen Knochens Ulna (Elle).

Für das, was viele Patiente erst nach vielen Monaten erreichen, ist es bei mir der Stand der Entwicklung wie folgt.

– Nach 2 Wochen konnte ich nicht einmal mit der Hand meinen Kopf berühren.

– Nach 2 und halb Wochen konnte ich endlich den Mund erreichen und so trinken oder Eis essen.

– Nach 3 Wochen konnte ich meinen Schulter erreichen und wieder an der Tastatur zügig schreiben.

– Nach 4 Wochen konnte ich problemlos den Nacken und Rücken berühren.

– Nach 5 Wochen sind nahezu alle Bewegungen möglich.

Entscheidend dafür war es jedoch die Reihenfolge der Übungen.

1. Schritt: Nur Flexion (Beugung) mit Supination in der 3. und 4. Wochen

2. Schritt: Pronation allmählich in der 4. Woche.

3. Schritt: Extension (Streckung) allmählich mit Rotation vom Ellbogen bis zum Handgelenkt in der 5. Woche.

Es sei nämlich bedacht, daß die Flexion beide Bruchenden komprimieren könnte, während es das Gegenteil bei der Flexion ist, es sei denn die Bruchstelle wird vollständig verknöchert. Dies ist also bis 4 oder 6 Wochen nach der Operation kritisch.

Wichtig dabei ist die Kombination für Übungen, denn es darf z.B. nicht mit der Beugung aufgegeben werden, um sich dann nur mit der Streckung zu beschäftigen, damit es nicht zu einem Rückgang kommt, mit erneuter Versteifung und somit Verlust an Beweglichkeit, die zuvor gegeben war. Aus meiner Sicht ist die Beweglichkeit in allen Richtungen ohne Rückgang bereits nach 5 Wochen gewährleistet. Viele Pausen zwischen kleinen Übungen von nur wenigen Minuten sind natürlich geboten.

Das Ergebnis gibt nach genau 6 Wochen:

– Beugung: 100 %

– Supination: 100 %

– Pronation: 100 %

– Streckung: 98 % von vorne, aber 95 % von hinten gesehen.

Manko: Rotation vollständig aber nur mit einem kleinen Winkel am Ellbogen. Dies sollte sich mit weiteren Übungen wieder (fast) normal werden. Dies scheint bereits ab 5-6. Woche vielleicht der Fall sein, sicherlich nur dann wenn die Streckung 100 % wird.

Derzeit stelle ich aber fest, daß beide Ellbogen allmählich gleich werden oder dieselbe Positionen aufweisen können, so daß ich damit rechnen möchte, daß alles wieder 100 % normal wird, also nach meiner Prognose mit Sicherheit 3 Monaten nach der Operation.

Nachtrag am 27.10.11

Acht Wochen nach der Operation ist alles gut geheilt. Alle Bewegungen sind 100 % frei. Der Ellbogen tut aber weh sei etwas 3 Wochen, wahrscheinlich wegen meiner Krankengymnastik, denn es bleibt die letzte Hürde, nämlich den linke Ellbogen so flach wie den rechten zu erreichen, wenn ich meine Hand zugleich ausstrecke und drehe, auch wenn beide Armen trotzdem etwa parallel zu einander sind. Es sieht so aus, als ob der Ellbogenfortsatz verweigert, tiefer im Gelenk eingerastert zu werden. Es hat aber diesbezüglich bislang nur einen kleinen Fortschritt gegeben, so daß mein linker Arm etwa flacher geworden ist. Es heißt also, daß ich weiter mit Bewegungen machen muß, bis ich den Chirurg in einer Woche wieder besuche.

Nachtrag am 03.11.11

Neun Wochen nach der Operation stellt der Chirurg fest, daß ich meinen Arm 100 % bewegen kann, so daß alles nunmehr abgeschlossen ist. Ich kann sogar beide Hände über die eine Schulter auf den Rücken einwandfrei berühren. Unter anderem Wort habe ich keinerlei Schwerbehinderung und somit bin ich sehr zufrieden. Auch der Ellbogen ist etwa so flach wie der andere geworden, wenn ich den Arm drehend ausstrecke, auch noch mit Schmerzen. Ich gehe davon aus, daß dies 3-4 Wochen später nach weiterer Gymnastik einwandfrei wird.

Erst in 4 Wochen darf ich endlich wieder am Baum klettern und das Motorrad fahren. Aber mit dem Winder wäre es wohl erst für nächstes Jahr.

In 6 Monaten aber, also in Mai 2012, ist die Entfernung der Drahtschlinge in einer neuen Operation vorgesehen. Ich gehe davon aus, daß ich gleich danach normale Aktivitäten haben werde, da die Knochen unberührt nach wie vor stabil bleiben.

Über Martial

Ich befaße mich mit Pädologie, d.h. übergreifend mit Psychologie, Pädagogik und Pädiatrie bzw. Medizin, und darüber hinaus mit Kindern, die ich betreue, aber u. a. auch mit Elektronik. Ich bin arbeitsuchend.
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