Pädologie

In Theorie bin ich Pädologe unabhängig vom Lebenslauf und von einer Qualifizierung. Mit endlosem Selbststudium, das mehrere Gebiete umfaßt, nämlich Psychologie, Pädagogik und Pädiatrie, möglichst mit neuesten Befunden aus der Forschung, Erkenntnissen in der Medizin und ständiger Entwicklung der Technologie zu deren Zweck, gibt es folglich für mich keinen Abschluß.

In Griechisch heißen „Paidos“ Kinder und „Logie“ Wissenschaft. Pädologie bedeutet im Grunde „Jugendforschung“ oder „Jugendkunde“ und befaßt sich daher mit dem Studium gesunder Kinder unter Berücksichtigung der Entwicklung und des Wachstums. Verhaltensforschung gehört selbstverständlich auch dazu.

Ursprünglich wäre Pädologie im 18. Jahrhundert lediglich das Studium des Verhaltens und der Entwicklung der Kinder gewesen, bevor es zu einer Teilung zwischen Pädagogik, pädagogischer Psychologie, experimenteller Psychologie und experimenteller Erziehung kam.

In Amerika wurde „Pädologie“ als „Science of the Child“ erstmals 1893 von Oscar Chrisman (1855-1929) vorgeschlagen, als dies im Zuge der Entwicklung der modernen Erziehungspsychologie noch ein getrenntes Fachgebiet für dessen Lehrer G. Stanley Hall (1844-1924) war, einer der Pioniere der Jugendforschung, mit Büchern „Adolescence“ (1904) und „Aspects of Child Life and Education“ (1921) in bezug auf „Storm-and-Streß“ unter Adoleszenten, eine universelle Merkmale, die generell von Psychologen nicht anerkannt wurde.

In Europa, wurde der Begriff „Pädologie „ Ende des 19. Jahrhunderts ein Versuch, das Studium des Kindes nach dem Beispiel der Naturwissenschaft im Leben zu rufen. Edouard Claparède (1873-1940) versuchte damit für das wissenschaftliche Studium der Erziehung in Frankreich, Belgien und in der Schweiz standzuhalten. Professor Kazimierz Twardowski (1866-1938) gründete 1909 in Lviv, (Österreich-Ungarn / heute Ukraine) die pädologische Gesellschaft. Ähnliches geschah 1910 auch in Krakow (Rußland). Der erster Weltkongreß fand 1911 mit der Teilnahme von 22 Staaten in Brüssel (Belgien) statt. Erst der Erste Weltkrieg setzte der Entwicklung dieses Fachgebiets unter diesem Begriff ein Ende. Seitdem verdrängt von der Pädagogik gelang dieser Begriff nie wieder an Bedeutung zu gewinnen.

In Kaiserlichem Rußland gründete Alexander Nechayev (Нечаев Александр Петрович) 1901 in St. Petersburg das Labor experimenteller pädologischen Psychologie. Anschließend in der Sowjetunion gründete Vladimir Bekhterev (В. М. Бехтерев) 1918 das Institut von Pädologie als Teil der Psychologie für das Studium des Gehirns und psychischer Vorgänge. Später in den zwanzigen Jahren befaßte sich Pädologie in der Sowjetunion (Kurek 1995) mit der Zusammensetzung der Schulklassen und mit geistig gestörten und schwer erziehbaren Kindern unter Anwendung der Psychotechnik. Schon 1932 wurde die Zeitschrift „Die Pädologie“ („Педология“) mit Lev Vygotsky (Лев Семёнович Выготский) als einer der Verfasser verboten, dessen pädologischer Kurs 1934 von Irina Léopoldoff (v. d. Schweiz) in Französisch übersetzt wurde.

Zu jener Zeit war Pädologie eine Wissenschaft, die verschiedene Disziplinen z.B. Medizin, Psychologie, Erziehung und Defektologie integrierte und sich auf Altersperioden oder Entwicklungsstufen konzentrierte. Demgemäß würde der Pädologe sich selbst Fragen stellen wie „Wie sind die mentalen Funktionen in dieser spezifischen Altersperiode miteinander verknüpft?“ und „Was ist das spezifische Problem für diese spezifische Entwicklungsstufe?“ (Vygotsky, 1929).

1934 folgte die Zeitschrift „Die Sowjetische Psychotechnik“. Der Leiter der Pädologie, A. B. Salkind, starb im Jahre 1936 an einem Herzinfarkt nach dem Besuch des Kommissariats der Volksbildung VKP(b). In demselben Jahr wurde Pädologie als Wissenschaft durch die Regierung offiziell verboten. Nach 1945 wurde die Praxis des Testverbots auf alle Ostblockstaaten ausgedehnt. (Siehe Marc Depaepe 1985, 1992/93 und Vgl. Van der Veer & Valsiner 1991)

Heutzutage ist Kinderpsychologie nach dem Schweizer Psychologen Jean Piaget (1896-1980) zwar zur Entwicklungspsychologie geworden, aber die ursprünglich veralte Bezeichnung „Pädologie“ nach dem französischen Pädagogen Henri Wallon (1879-1962) in seinem Buch „les orginines de la pensée de l’enfant“ im Gebiet der pädologischen Psychologie hat wieder bei mir ihren Platz gefunden. An dieser Stelle darf es nicht mit „Pedologie“ für Bodenforschung verwechselt werden. Mir reicht nämlich zu wissen, wo meine Füße stehen, allerdings mit der Erkenntnis, daß mich hier nur noch die Erdeanziehungskraft hält.

In französischer Sprache ist der Begriff „pédologie“ zweideutig, zu einem seit 1890 als die Wissenschaft von physischen, chemischen und biologischen Merkmalen des Bodens und zu anderem seit 1900 als die Wissenschaft des Kindes auf physiologische und psychologische Ebene.

In der Praxis bin ich lediglich Kinderbetreuer mit Verzicht auf den Begriff „Kindererzieher“, auch ohne staatliche Anerkennung, insofern daß es nicht in meiner Absicht ist, den Eltern die Kompetenz zu entnehmen, wie sie ihre Kinder erziehen. Dies erschließt meine Tätigkeit als Nachhilfelehrer, nachdem ich das Abitur 2005 sehr gut bestanden habe, um anschließend Psychologie mit der Option „klinische Psychopathologie“ an der Pariser Fernuniversität studieren zu können, bis ich unter Umständen entschied, im Alleingang dieses Studium fortzusetzen und unter dem Begriff „Pädologie“ mit anderen Disziplinen zu erweitern, ohne mich mit der Arroganz von denen aus irgendeiner Instanz auseinandersetzen zu müssen, was leider gelegentlich unvermeidbar ist.

Nach dem Enzyklopädischen Lexikon in Bezug auf die neueste Literatur und Geschichte von Wilhelm Traugott Krug – 1838
„Pädologie (von Kind und Lehre) bedeutet nicht eine Kinderlehre (Lehre für die Kinder) sondern ein « Lehre von den Kindern, deren Fähigkeiten, Neigungen, Unarten », mit welchen der Pädagoge allerdings bekannt sein muß, wenn er auf die Kinder mit glücklichem Erfolg wirken will, und also auch die Eltern als Erzieher ihrer eigenen Kinder. Das Wort ist übrigens erst neuerlich in Frankreich aufgekommen, wo man es Pédologie schreibt, die Sache aber schon längst in allen Erziehungsschriften abgehandelt, wenn auch vielleicht noch nicht so vollständig und genau, als der gewissenhafte Erzieher wünschen möchte. Auch sind die im Zusammenhang zu kindlich angeführten Schriften von Grohmann und Hussian ihrem Inhalte und Zwecke nach pädologisch. — Pädophilie (von Liebe, und Freundschaft) bedeutet Kinderliebe oder Kinderfreund.“
Interessanterweise taucht der Begriff „Pädophilie“ nach seiner richtigen Bedeutung auf, welcher seit dem Fall Dutroux in Belgien 1997 hervorgehoben und thematisiert bzw. instrumentalisiert wurde, um kurz gefaßt in Lexiken unserer Gegenwart einer Sexualstörung gleich gesetzt zu werden. Aber bereits im 20. Jahrhundert (seit 1900) deutete Pädophilie auch auf sexuelle Neigung zu Adoleszenten und Kindern.
Meines Erachtens ist dieser Begriff nach der Etymologie leider mißbraucht worden, denn das Wort „Pädomane“ im Sinne von „Manie“ wäre eher geeignet gewesen, genauso für den Begriff „Baiser“ in Französisch, welcher aus dem Ursprung im Jahr 900 (für Handküssen) in die Umgangsprache etwa seit 1900 zu einer ganz anderen Bedeutung übergegangen ist. Unter diesem Aspekt halte ich im pädagogischen Bereich natürlich nichts von einer staatlichen Anerkennung, die wohl nicht vorm Kindermißbrauch schützt. Ersichtlich ist es schon, wie Kinder auf ganze andere Weise in unserer Gegenwart mißbraucht bzw. manipuliert werden, wie in Schulen durch die willkürliche Einführung der Schreibreform oder auf Spielplätzen angesichts der Gefahr vom Fußballspielen ungeachtet der medizinischen Tatsachen bei Hirnverletzungen mit tödlichen Folgen im schlimmsten Fall bei einem Unfall, geschweige jegliche Formen übler Nachreden unter Kindern, die in unserer heutigen Gesellschaft typisch und üblich sind.

Mit mir kommt nun Pädologie wieder am Leben, indem die drei Fachgebiete – Psychologie, Pädagogik und Pädiatrie – im Schwerpunkt des Studiums der Kindsentwicklung zusammen herangezogen werden. Da es anscheinend äußerst schwierig ist, wenn vielleicht nicht nur unmöglich, im Leben je ein Diplom von einer Universität für diese drei Gebiete auf einmal zu erwerben, gehe ich davon aus, was mich dabei freut, daß es nie solchen Zertifikat von einem Institut (für Pädologie) geben werde, so daß sich jeder, der sich damit befaßt, sich als Pädologe ohne Titel oder Vorgabe von Dritten bezeichnen kann, unter der Voraussetzung in den genannten Disziplinen ständig am Ball zu bleiben.