Pädagogik

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Freie Pädagogik entspricht meiner derzeitigen Vorstellung im Interesse der Kinder, jedoch in Anlehnung an die Kinderpädagogik von Lew Wygotski, welche kindergerecht und sozialorientiert fördernd ist, sowohl in physischer als auch in geistiger Entwicklung. Obwohl Jean Piaget zweifellos der bekannteste Pädagoge war, der sich mit der kognitiven Kinderentwicklung beschäftigte, sind derzeit die pädagogischen Methoden nach Célestin Freinet, Maria Montessori, und Rudolf Steiner in der Praxis für Kindertagesstätte die bekanntesten jedoch mit Vor- u. Nachteilen, so daß ich eher darauf verzichte, mich nur auf eine von denen zu beschränken. Richtig ist meiner Meinung nach nur Vorteile aus all diesen Methoden je nach individuellem Bedürfnis eines Kindes umzusetzen, allerdings mit Verstand und Vernunft nach (gewissenhaftem) Ermessen und (theoretischer) Kompetenz des Kindererziehers. Liebvolle Zuwendung bleibt aber die allererste Voraussetzung für eine erfolgreiche Kinderbetreuung.

Maria Montessori (1870-1952)

In der Montessori-Pädagogik sollte das Kind das Recht auf Spontaneität und freie Entfaltung haben. Das Kind lernt in dieser Freiheit, ist selbständig, höchstmotiviert und konzentriert. Es läßt sich nicht stören und nicht ablenken und braucht am allerwenigsten die Gängelung und Hilfestellung durch den Erwachsenen, für den es ist schwierig wird, sich nicht in eine Tätigkeit des Kindes einzumischen.

Die Montessori-Lehrerin versteht sich als Wächterin und Beobachterin der kindlichen Bedürfnisse und Entwicklung dadurch, daß die von ihr bereitgestellte Umgebung den Kindern gehört, getrennt von der Gesellschaft der Erwachsenen, in der es zuweilen Unterdrückung herrscht, so daß sie vor sich ein Kind hat, das dann etwa nicht mehr existiert, und noch für Stille und Ordnung sorgt, ohne versuchen zu dürfen, das Kind zu beeinflussen und zu unterrichten, auch nicht um zu belohnen oder zu bestrafen.

Es werden Lern- und Spielmaterialien zur Verfügung gestellt, allerdings in beschränkter Menge für etwa Jahre, und das Kind holt sich das, was ihm interessiert, auch wenn es ihm mit der Zeit langweilig wird, ohne Eingriff der Erzieherin, auch um den Fehler zu berichtigen, damit das Kind von der Abhängigkeit der Erwachsenen vollkommen befreit bleibt. Es wird mehrfach daran erinnert, daß Erwachsene vor Kindern Abstand halten sollten, so daß sich kleinere Kinder eher von größeren Kindern helfen lassen dürfen, welche lernen, selbständig danach zu handeln.

Es wurde aber festgestellt, daß wohl die jüngeren Kinder von der Altersmischung profitieren, nicht aber die älteren, denn ihre Weiterentwicklung wird durch die häufigen Interaktionen mit weniger kompetenten Kindern gebremst. Darüber hinaus sind Vorschulkinder letztendlich nur noch auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen. Dies verdeutlicht, daß Erwachsene bei allen Kleinkindern nach wie vor einen weitaus größeren Einfluß haben sollten, so daß die Kinder ihre Überlegenheit anerkennen und sie dementsprechend als Vorbilder und Lehrende akzeptieren. Das Sozialverhalten durch die Sprachentwicklung wird außerdem dadurch gefördert, wenn eine enge Beziehung in den verschiedenen Aktivitäten zwischen Erwachsenen und Kindern in solch einer Gesellschaft vom Anfang an besteht, in der es weder eine Diskriminierung durch Altertrennung noch eine Unterdrückung durch Alterunterschied gibt. Das Vorrecht auf ein Zusammenleben und somit auf eine Zusammenarbeit in einer gemischten Gesellschaft ist schlicht und einfach die beste Impfung des Lebens, die ein Kind jemals bekommt.

Lew Wygotski (1896-1934)

„Das Gebiet der noch nicht ausgereiften, jedoch reifenden Prozesse ist die Zone der nächsten Entwicklung des Kindes“.

Lew Wygotstki hat deshalb erkannt, daß gemeinsame Aktivitäten von Fachkräften und Kleinkindern eine besondere Bedeutung zukommt, da hier am ehesten eine positive Einwirkung in die Zone der nächsten Entwicklung bei den Kindern möglich ist, welche im Gebiet der noch nicht ausgereiften, jedoch reifenden Prozesse ist. Nur wenn die Erzieher/innen häufig mit den Kindern spielen, viel mit ihnen sprechen, mit ihnen gemeinsam Projekte durchführen usw., können sie ihre Weiterentwicklung fördern.

Erzieher/innen müssen also, zum einen die einzelnen Kinder sehr gut kennen, sie genau beobachten und ihren Entwicklungsstand, insbesondere hinsichtlich der Zone der nächsten Entwicklung, richtig beurteilen. Zum anderen müssen sie intensiv mit ihnen arbeiten, da Kinder vor allem aufgrund ihrer Anleitung und Unterstützung in der Zone der nächsten Entwicklung vorankommen.

Jean Jacques Rousseau (1712-1778)

Rousseau geht davon aus, daß das Kind von Natur aus gut ist und eine natürliche Entwicklung zur Sittlichkeit in sich trägt, so daß man es unterstützen muß, auch gut zu bleiben. Es bedarf somit der Erziehung, deren Ziel es ist, den schwach geborenen Menschen zu stärken, so daß ihm bei Eintritt in die Gesellschaft, diese nichts anhaben und ihn nicht verbiegen kann. Jeder soll erkennen, daß die Menschen von Natur aus gut sind und daß die Gesellschaft sie verdirbt.

„Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.“

„Die Familie ist die älteste aller Gemeinschaften und die einzige natürliche.“

„Die Natur will, daß Kinder Kinder sind, bevor sie zum Erwachsenen werden.“

„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten. „

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.“

Für Lew Wygotski ist die Sprachenentwicklung eines Kindes im Gegensatz zu Jean Piaget zunächst nicht egozentrisch sondern sozialorientiert, denn die kulturelle Entwicklung eines Kindes kommt allerdings in zwei wesentlichen Phasen vor, nämlich erstens interpsychologisch, d.h. auf soziale Ebene zwischen Menschen und zweitens innerpsychologisch, was im laufe der Selbstentwicklung mit Innersprache unter bildhaften Aktivitäten gemeint ist, nach einer Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen während der Vorschulzeit.

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